Mountainbike

Warum ...

... bezahlt nicht die AOK mein Mountainbike?

Heute ist Weltgesundheitstag! Für uns Grund genug, sich einmal näher mit der epochalen Frage zu beschäftigen, warum man sein Fahrrad immer noch selbst kaufen muss, obwohl es doch eigentlich angemessen wäre, sein Wunschbike auf Rezept zu bekommen.


Mountainbiken ist die bessere Medizin, oder ...

... die Frage, warum mein Mountainbike nicht die AOK bezahlt.

Eigentlich wäre es keine schlechte Idee – nach der Reha ein Mountainbike auf Rezept, bezahlt von der Krankenkasse! Oder noch besser: Jedes Kind bekommt zur Einschulung ein Fahrrad geschenkt. Der Vorteil letzterer Variante: Der Bedarf für das „Mountainbike auf Rezept“ im höheren Alter würde deutlich geringer ausfallen als das heute noch der Fall ist. Der vielzitierte Digitalisierungspakt spült in den kommenden 5 Jahren 5,5 Milliarden Euro in die Klassenzimmer der Schulen. Es sei der Bildung gegönnt. Heruntergebrochen sind das gut 27.000 Euro pro Schule und Jahr.*) Schon knapp 10.000 Euro pro Schule würden ausreichen, um damit Jahr für Jahr 40 Erstklässler mit einem guten Fahrrad auszurüsten. Es blieben dann immer noch 17.000 Euro pro Schule übrig, um Steve Jobs und seine Angestellten vor dem Hungertod zu bewahren.

Nun wissen wir alle, dass das nicht passieren wird. Dazu ist „Fahrrad“ vermutlich noch zu sehr „Old School“ und „Digitalisierung“ im Moment einfach zu hipp. Dennoch wäre es höchste Zeit, der seit 200 Jahren bewährten Technik des Fahrrades mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Es gibt nicht viele technische Entwicklungen, die sich in ihrer Grundform so lange behauptet haben. Es muss also was dran sein am „Prinzip Fahrrad.“

Aber wir waren ja beim Weltgesundheitstag: Radfahren sei der „gesündeste Sport überhaupt“ sagt Ingo Froböse, Sportwissenschaftler an der Sporthochschule in Köln. Die „Durchblutung und Sauerstoffversorgung werden auf dem Rad verbessert; der Fettstoffwechsel dreht hoch; die Haltung wird gestärkt; die Gelenke erhalten Arthrose-schutz; der Stress wird reduziert, die Denkleistung gesteigert. Sogar das Alzheimer-Risiko sinkt bei regelmäßigem Radeln.“ **)

Und trotz dieser gesteigerten Denkleistung beim Radfahren ist uns beim Nachdenken auf dem Rad bislang kein anderer Sport eingefallen, der eine ähnlich breite Palette von positiven gesundheitlichen Aspekten abdeckt. Und dabei ist Froböses Aufzählung noch lange nicht vollständig. Vor allem dann nicht, wenn man neben dem „Bio-Bike“ auch an das E-Bike denkt. Letzteres hat gegenüber dem rein muskelgetriebenen Rad den Vorteil, dass die Belastung des Herz-Kreislaufsystems um rund ein Fünftel sinkt, Gelenke, Sehnen und Muskeln weniger beansprucht und vor Belastungsspitzen geschützt werden. Die Elektronik am Rad macht es ganz einfach möglich, die Belastung des Körpers gezielt zu steuern. Nicht zuletzt auch deshalb entwickelt sich das E-Bike verstärkt zu einem sehr nützlichen Helfer bei der Reha und Nachsorge bei Herz-Kreislauferkrankungen, aber auch bei Rückenproblemen oder rheumatischen Erkrankungen.

Und falls jetzt der Einwand kommt, den gleichen Effekt könnte man doch auch auf dem Hometrainer mit Videoleinwand erzielen – kann man nicht! Sicherlich kann man auch auf einem ortsfesten Gerät gelenkschonend vor sich hin pedalieren, doch schon hier wird der Gleichgewichtssinn nicht mehr gefordert. Und Natur lässt sich sowieso nicht imitieren. Da hilft auch kein Duftbaum „Tannenwald“ und keine Vogelstimmen-CD.

Wenn man weiß, dass Herzfrequenz und Blutdruck sinken, sobald man einen Wald betritt, wird klar, dass ein optimaler Effekt für Gesundheit und körperliches Wohlbefinden nur dann zu erreichen ist, wenn Radfahren im Wald und der freien Natur stattfindet. Im morgendlichen Berufsverkehr, das sollte leicht einzusehen sein, wird der Blutdruck wohl eher nicht sinken. Auch eine wurzeldurchsetzte Steilabfahrt bei Regen wird sich vermutlich nur bei wenigen Zeitgenossen in einer sinkenden Herzfrequenz niederschlagen. Wem aber bewusst ist, dass weder Berufsverkehr noch Downhillstrecke geeignete Orte der Entspannung sind, der wird nach dem Ausschlussprinzip (Rad ja, aber nicht Stadt, wenn nicht Stadt, dann Natur, und wenn Natur, dann aber ohne Stress und Leistungsdruck) schließlich und unvermeidbar bei einer entspannten Mountainbiketour landen. Und dabei ist es völlig unerheblich und allein den persönlichen Vorlieben oder Befindlichkeiten überlassen, ob an dem seit 200 Jahren bewährten Fahrradrahmen ein Motor geschraubt ist oder nicht.

Und was hat das alles mit dem Radfahren in der Schule zu tun? Fast alles! Denn würde jedes Schulkind ein Fahrrad haben und damit sicher fahren können, und würde in der Stadt und auf dem Land eine auch nur halbwegs brauchbare Infrastruktur für den Radverkehr existieren und würde es in allen touristischen Destinationen ein attraktives Angebot für Radler und Mountainbiker geben, dann würden die Krankenkassen nicht Unsummen für Zivilisationskrankheiten ausgeben müssen, die vermeidbar gewesen wären, wenn denn der Mensch mehr Fahrrad gefahren wäre. Und nach gar nicht allzu langer Zeit würde bei den Krankenversicherern so viel Geld übrig sein, um wirklich jedem Kind zur Einschulung ein Fahrrad auf Rezept zu spendieren.

Aber solange man in einem einzigen Satz über das Radfahren viermal das Wort „würde“ verwenden muss, ist es die Situation für Kinder, Räder und Krankenkassen so wie sie ist – suboptimal mit viel Luft nach oben.

*) https://www.bmbf.de/de/wissenswertes-zum-digitalpakt-schule-6496.html
**) https://www.focus.de/gesundheit/titel-die-gluecksmaschine_id_6865931.html


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